Zusammenfassung
Vietnam hat die Diskussion über seine Ambitionen im Bereich erneuerbare Energien hinter sich gelassen.
Der rechtliche Rahmen existiert nun.
Das Regime der Direkten Stromkaufverträge (DPPA) ist operativ. Das Elektrizitätsgesetz liefert die gesetzliche Grundlage für den direkten Stromhandel. Der Stromentwicklungsplan VIII definiert weiterhin den Fahrplan für die Stromerzeugung des Landes. Offshore‑Wind, Energiespeicherung, grüner Wasserstoff und großskalige Projekte im Bereich erneuerbare Energien bleiben nationale Prioritäten.
Die entscheidende Frage für Investoren lautet nicht mehr, ob Vietnam Investitionen in erneuerbare Energien unterstützt.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie kann ein Projekt tatsächlich den finanziellen Abschluss und den kommerziellen Betrieb erreichen?
Auf Grundlage des aktuellen Rechtsrahmens sollten Investoren weniger auf Schlagzeilen achten, sondern mehr auf Projektausführung, Bankfähigkeit, Standortwahl, Abnahmestrategie und regulatorische Umsetzung.
Wer diese praktischen Realitäten versteht, hat die größten Erfolgschancen.
Der größte Fehler, den Investoren immer noch machen
Viele Investoren beginnen weiterhin mit der Technologie:
Solar.
Wind.
Batteriespeicherung.
Wasserstoff.
Offshore‑Wind.
Dies ist oft der falsche Ausgangspunkt.
In Vietnam beginnen erfolgreiche Projekte typischerweise mit einer anderen Frage:
Wer wird den Strom kaufen?
Die wichtigste kommerzielle Entscheidung ist häufig nicht die Erzeugungstechnologie, sondern die Abnahmestruktur.
Investoren sollten zunächst klären, ob ihr Projekt auf Folgendem basiert:
- Direkten Stromkaufverträgen (DPPA),
- Stromverkauf ins nationale System,
- Industrielle Kunden,
- Exportorientierte Hersteller,
- Produktion von grünem Wasserstoff,
- Modelle der Eigenproduktion und Eigenverbrauch,
- Hybride Strukturen, die mehrere dieser Ansätze kombinieren.
Ohne klare Abnahmestrategie steigt das Entwicklungsrisiko erheblich.
Das DPPA‑Potenzial verstehen
Artikel 47 des Elektrizitätsgesetzes bietet nun eine klare rechtliche Grundlage für den direkten Stromhandel zwischen großen Stromverbrauchern und Stromerzeugungseinheiten.
Für Investoren bedeutet dies, dass die unternehmerische Beschaffung erneuerbarer Energie nicht länger nur ein politisches Ziel ist.
Sie ist nun Teil der Marktstruktur des vietnamesischen Stromsektors.
Die attraktivsten potenziellen Kunden sind:
- Halbleiterhersteller,
- Elektronikproduzenten,
- Datenzentren,
- Automobilhersteller,
- Exportorientierte Industriegruppen,
- RE100‑Teilnehmer,
- Große Industrieparks.
Viele dieser Unternehmen stehen unter wachsendem Druck von Kunden, Aktionären und Regulierungsbehörden, ihre CO₂‑Emissionen entlang der gesamten Lieferkette zu reduzieren.
Die Beschaffung erneuerbarer Energie wird daher zunehmend zu einer strategischen Geschäftsanforderung und nicht nur zu einer Umweltpräferenz.
Entwickler, die sich frühzeitig starke industrielle Stromabnehmer sichern, können einen erheblichen Wettbewerbsvorteil erlangen.
Standortwahl wird wichtiger als Technologieauswahl
Viele Investoren bewerten Projekte weiterhin primär nach der Ressourcenqualität.
Dies reicht nicht mehr aus.
Ein erfolgreiches Projekt erfordert die gleichzeitige Berücksichtigung von:
- Ressourcenverfügbarkeit,
- Netzverfügbarkeit,
- Risiken der Abregelung,
- Zukünftige Übertragungskapazität,
- Industrielle Nachfrage,
- Flächenverfügbarkeit,
- Genehmigungskomplexität.
Die stärkste Solar‑ oder Windressource führt nicht zwangsläufig zum besten Investitionsfall.
In der Praxis profitieren Projekte in der Nähe großer industrieller Nachfragezentren oft von Vorteilen, die allein durch Ressourcenqualität nicht erreicht werden können.
Energiespeicherung wird zunehmend wichtiger
Das Elektrizitätsgesetz fördert ausdrücklich erneuerbare Energieprojekte in Kombination mit Energiespeichersystemen.
Investoren sollten dieser Entwicklung besondere Aufmerksamkeit schenken.
Historisch konzentrierten sich Projekte im Bereich erneuerbare Energien vor allem auf die Erzeugungskapazität.
Zunehmend entsteht Wert jedoch durch:
- Flexibilität,
- Steuerbarkeit,
- Netzstützungsdienste,
- Nachfragemanagement,
- Integration von Energiespeicherung.
Batteriespeicherung entwickelt sich von einer optionalen Ergänzung zu einer strategischen Projektkomponente.
Entwickler, die Speicherlösungen ignorieren, könnten sich in zukünftigen Marktstrukturen im Nachteil wiederfinden.
Offshore‑Wind bleibt eine strategische Langfristchance
Vietnam verfügt über eine der stärksten Offshore‑Windressourcen Asiens.
Investoren sollten den Sektor jedoch realistisch betrachten.
Die Chance ist enorm.
Die Herausforderung in der Umsetzung ist ebenso bedeutend.
Erfolgreiche Offshore‑Windprojekte erfordern:
- Langfristige Kapitalzusagen,
- Starke lokale Partnerschaften,
- Frühzeitige Einbindung der Behörden,
- Sorgfältiges Management mariner Genehmigungsanforderungen,
- Umfassende Netzintegrationsplanung,
- Bankfähige Abnahmestrukturen.
Investoren sollten Offshore‑Wind als strategische Plattform für die lange Frist betrachten – nicht als kurzfristige Entwicklungsmöglichkeit.
Grüner Wasserstoff und grünes Ammoniak: Die nächste Welle
Das Elektrizitätsgesetz erkennt grünen Wasserstoff und grünes Ammoniak offiziell an.
Dies ist ein wichtiges Signal.
Vietnam plant nicht nur die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.
Vietnam bereitet sich auf die erneuerbare Industrialisierung vor.
Zukünftige Chancen könnten entstehen in:
- Industrieller Dekarbonisierung,
- Exportorientierter Wasserstoffproduktion,
- Nachhaltigen Kraftstoffen,
- Herstellung von grünem Ammoniak,
- Erneuerbaren Energiezentren, die Erzeugung, Speicherung und Wasserstoffproduktion integrieren.
Investoren sollten diese Möglichkeiten bereits jetzt prüfen, auch wenn viele Projekte noch Jahre von der kommerziellen Reife entfernt sind.
Worauf Kreditgeber achten werden
Projektfinanzierung bleibt der ultimative Test für die Qualität einer Investition.
Kreditgeber werden weiterhin untersuchen:
- Einnahmesicherheit,
- Qualität der Abnahmeverträge,
- Risiko der Abregelung,
- Risiko des Netzanschlusses,
- Regulatorische Stabilität,
- Stärke des Sponsors,
- Baurisiken,
- Genehmigungsstatus.
Projekte, die diese Punkte frühzeitig adressieren, sind deutlich besser positioniert, um Finanzierung zu erhalten.
Die stärksten Projekte sind nicht unbedingt jene mit dem höchsten Erzeugungspotenzial, sondern jene mit dem niedrigsten Gesamtrisiko.
Was Investoren jetzt tun sollten
Für Investoren, die Vietnams Markt für erneuerbare Energien im Jahr 2026 bewerten, verdienen mehrere praktische Schritte Priorität:
Erstens
Geeignete industrielle Stromabnehmer identifizieren, bevor erhebliche Entwicklungsausgaben getätigt werden.
Zweitens
Frühzeitige detaillierte Bewertungen der Netzverfügbarkeit und Übertragungsengpässe durchführen.
Drittens
Prüfen, ob Energiespeicherung Teil des ursprünglichen Projektdesigns sein sollte.
Viertens
Umsetzungsbestimmungen zu DPPA‑Transaktionen, Preisbildungsmechanismen für erneuerbare Energien und Marktliberalisierung beobachten.
Fünftens
Eine Genehmigungsstrategie parallel zur kommerziellen Strategie entwickeln, anstatt Genehmigungen als spätere Aufgabe zu behandeln.
Sechstens
Lokale Partnerschaften aufbauen, die regulatorische, technische und kommerzielle Herausforderungen bewältigen können.
Fazit
Der Markt für erneuerbare Energien in Vietnam ist in eine neue Phase eingetreten.
Die Frage lautet nicht mehr, ob Chancen bestehen.
Sie bestehen.
Die wichtigere Frage ist, welche Investoren diese Chancen erfolgreich in bankfähige, operierende Projekte umwandeln können.
Das Elektrizitätsgesetz, das DPPA‑Regime und die umfassenden energiepolitischen Übergangsmaßnahmen haben die Grundlage für erhebliche private Investitionen geschaffen.
Der Erfolg hängt jedoch weniger von der Identifizierung von Chancen ab, sondern vielmehr von der effizienten Projektausführung, der Sicherung verlässlicher Abnahmevereinbarungen, dem Management regulatorischer Anforderungen und der Erreichung von Bankfähigkeit.
Für Investoren, die bereit sind, sich auf diese Grundlagen zu konzentrieren, bleibt Vietnam einer der attraktivsten Märkte für erneuerbare Energien in Asien.
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den Autor Dr. Oliver Massmann unter [email protected].
Dr. Oliver Massmann ist Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC.
