Einleitung
Das jüngste Verfahren zwischen FW Aviation (Holdings) 1 Limited und der VietJet Aviation Joint Stock Company zählt zu den bedeutendsten Streitigkeiten im Bereich der Flugzeugfinanzierung mit Bezug zu Vietnam in den letzten Jahren. Die Verfahren vor dem High Court of England und anschließend vor dem Court of Appeal behandelten grundlegende Fragen im Zusammenhang mit Flugzeugleasing, Kreditabtretungen, Kündigungsrechten, Vollstreckung, Flugzeugrückführung und Export.
Die Kreditgeber und Investoren setzten sich letztlich durch. Sie erhielten den Besitz der Flugzeuge zurück und erlangten Urteile in Höhe von über 181 Millionen USD. Der Rückgewinnungsprozess erforderte jedoch jahrelange Rechtsstreitigkeiten, umfangreiche Vollstreckungsmaßnahmen, mehrere Gerichtsverfahren in verschiedenen Jurisdiktionen sowie erhebliche zusätzliche Kosten.
Die wichtigste Lehre besteht daher nicht darin, dass die Finanzierer am Ende gewonnen haben. Die wichtigste Lehre ist vielmehr, dass Flugzeugfinanzierungen so strukturiert werden sollten, dass eine Vollstreckung überflüssig wird oder – falls erforderlich – schnell und vorhersehbar abgeschlossen werden kann.
Das Ziel einer Flugzeugfinanzierung besteht nicht darin, Jahre später ein Urteil zu erlangen. Das Ziel besteht darin, das Flugzeug unmittelbar nach einem Zahlungsausfall zurückzuführen und zu exportieren.
Für Finanzierer, Leasinggeber, Exportkreditagenturen, Banken, Investoren im Rahmen von Japanese Operating Lease with Call Option, Luftfahrtfonds und institutionelle Investoren, die Flugzeugtransaktionen mit Bezug zu Vietnam erwägen, liefert der Fall FW Aviation wertvolle Erkenntnisse.
Lehre 1: Behandlung der Vollstreckung in Vietnam als eigenständigen Arbeitsstrang
Viele internationale Finanzierer konzentrieren sich stark auf Finanzierungsdokumente, die dem englischen oder dem New Yorker Recht unterliegen. Typischerweise liegt der Fokus auf:
- Leasingverträgen;
- Kreditverträgen;
- Sicherungsabtretungen;
- Garantien;
- Treuhandstrukturen; und
Diese Dokumente sind zwar wesentlich, stellen jedoch nur einen Teil der Transaktion dar. Jede Flugzeugfinanzierung mit Bezug zu Vietnam sollte einen eigenen Arbeitsstrang für die Vollstreckung in Vietnam enthalten, der parallel zu den Finanzierungsdokumenten entwickelt wird.
Dieser Arbeitsstrang sollte folgende Punkte behandeln:
- Flugzeugregistrierung;
- Verfahren zur Löschung der Registrierung;
- Exportverfahren;
- behördliche Genehmigungen;
- Vollmachten;
- Anerkennung von Sicherungsrechten;
- Interaktion mit den Luftfahrtbehörden; und
- praktische Rückführungslogistik.
Das Vollstreckungspaket sollte als ebenso wichtig angesehen werden wie das Finanzierungspaket selbst.
Lehre 2: Sicherstellung einer voll wirksamen unwiderruflichen Autorisierung zur Löschung der Registrierung und zum Export
Einer der wichtigsten Schutzmechanismen nach dem Übereinkommen über internationale Sicherungsrechte an beweglicher Ausrüstung und dem Protokoll über Luftfahrtausrüstung ist die unwiderrufliche Autorisierung zur Löschung der Registrierung und zum Export.
Dieses Dokument erlaubt einem benannten Gläubiger oder einem bevollmächtigten Vertreter, nach Eintritt eines Zahlungsausfalls die Löschung der Registrierung und den Export des Flugzeugs zu beantragen.
Viele Transaktionen gehen jedoch fälschlicherweise davon aus, dass der bloße Erhalt dieser Autorisierung ausreicht. Best Practice erfordert:
- ordnungsgemäße Ausfertigung;
- ordnungsgemäße Einreichung bei der Zivilluftfahrtbehörde Vietnams;
- Bestätigung der Annahme;
- regelmäßige Überprüfung, dass die Autorisierung wirksam bleibt;
- eindeutige Benennung der bevollmächtigten Partei; und
- periodische Überprüfung während der gesamten Laufzeit der Transaktion.
Der Streitfall FW Aviation zeigt, dass die Rückführungsplanung sich nicht auf ein einziges Dokument stützen darf. Die gesamte Vollstreckungskette muss effektiv funktionieren.
Lektion 3: Umfassende Vollmachten einholen
Die Rückführung von Flugzeugen umfasst weit mehr als die Löschung der Registrierung. Finanzierer sollten sich umfassende und belastbare Vollmachten sichern, die folgende Bereiche abdecken:
- Anträge auf Löschung der Registrierung;
- Exportanträge;
- Zollverfahren;
- Wartungsunterlagen;
- technische Dokumentation;
- Versicherungsverwaltung;
- Flughafenkoordination;
- Lagerungsvereinbarungen für Flugzeuge; und
- Genehmigungen für Überführungsflüge.
Diese Vollmachten sollten über die Vertragsbeendigung hinaus Bestand haben und während des gesamten Vollstreckungsverfahrens wirksam bleiben. Viele Rückführungsmaßnahmen scheitern nicht an unklaren Rechtslagen, sondern an praktischen Umsetzungsproblemen.
Lektion 4: Sofortige und eindeutige Kündigungsrechte schaffen
Eine der zentralen Fragen vor dem High Court war, ob die Vertragskündigung gültig war. Das Gericht bestätigte, dass die Finanzierer nach Zahlungsverzug über sofortige Kündigungsrechte verfügten. Zukünftige Transaktionen sollten sicherstellen, dass die Verzugsklauseln mit maximaler Klarheit formuliert sind.
Die Dokumentation sollte vorsehen, dass:
- Nichtzahlung unmittelbar ein Ereignis des Verzugs darstellt;
- Kündigungsrechte automatisch oder sofort nach Mitteilung entstehen;
- kein zusätzliches Vollstreckungsereignis erforderlich ist;
- keine Unklarheit hinsichtlich Beschleunigungsrechten besteht; und
- Rechtsmittel ohne verfahrensrechtliche Unsicherheit verfügbar werden.
Je stärker die Formulierung, desto geringer der Spielraum für spätere Streitigkeiten.
Lektion 5: Abtretungsklauseln für zukünftige Marktbedingungen gestalten
Ein zentrales Argument von VietJet betraf die Frage, ob FW Aviation als zulässiger Zessionar nach den Finanzierungsdokumenten qualifiziert war. Obwohl die englischen Gerichte letztlich zugunsten von FW Aviation entschieden, verdeutlicht der Streit die Bedeutung weit gefasster Abtretungsklauseln.
Dokumente zur Flugzeugfinanzierung sollten ausdrücklich Übertragungen an folgende Parteien zulassen:
- Banken;
- Finanzinstitute;
- Flugzeugleasinggeber;
- Private Kreditfonds;
- Investoren für notleidende Vermögenswerte;
- Fonds für besondere Situationen;
- Verbriefungsvehikel;
- Investmentfonds; und
- verbundene Unternehmen.
Der Markt für Flugzeugfinanzierungen entwickelt sich weiterhin rasant. Die Dokumentation sollte zukünftige Finanzierungsstrukturen antizipieren, anstatt sich auf enge Definitionen zu stützen.
Lektion 6: Beziehungen zu relevanten Behörden vor Problemen aufbauen
Viele Finanzierer beginnen erst nach Eintritt des Verzugs mit der Interaktion mit lokalen Behörden. Dies ist oft zu spät.
Vor der Finanzierung sollten Finanzierer sicherstellen, dass Verfahren und Erwartungen verstanden werden in Bezug auf:
- Löschung der Flugzeugregistrierung;
- Flugzeugexport;
- Zollanforderungen;
- Flughafen-Zugang;
- Lagerungsvereinbarungen;
- Wartungsunterlagen; und
- operative Koordination.
Das Ziel ist nicht die Erlangung einer Sonderbehandlung. Das Ziel ist die Sicherstellung verfahrensrechtlicher Klarheit. Wenn ein Verzug eintritt, wird Unsicherheit zum Feind der Vollstreckung.
Lektion 7: Einen Flugzeugrückführungsplan vor Abschluss erstellen
Jede größere Flugzeugfinanzierung sollte ein Rückführungsprotokoll enthalten, das vor der Auszahlung der Mittel vorbereitet wird.
Das Protokoll sollte folgende Schritte identifizieren:
- Tag 1 – Erklärung des Verzugs;
- Tag 2 – Anweisungen zur Stilllegung;
- Tag 3 – Versicherungsmitteilungen;
- Tag 4 – Exportvorbereitungen;
- Tag 5 – technische Inspektionen;
- Tag 6 – Genehmigungen für Überführungsflüge;
- Tag 7 – Verlegung des Flugzeugs.
Der genaue Zeitplan wird variieren, aber das Prinzip bleibt konstant: Planung der Rückführung sollte vor dem Verzug erfolgen, nicht danach.
Lektion 8: Vietnamesische Rechtsgutachten mit Fokus auf praktische Vollstreckbarkeit einholen Traditionelle Rechtsgutachten behandeln häufig:
- Gesellschaftsfähigkeit;
- Befugnisse;
- Gültigkeit; und
- Vollstreckbarkeit.
Diese Gutachten bleiben wichtig, sind jedoch nicht ausreichend. Finanzierer sollten zusätzlich eine Analyse verlangen zu:
- praktischen Verfahren zur Löschung der Registrierung;
- Exportmechanismen;
- administrativen Herausforderungen;
- lokalen Prozessrisiken;
- Risiken einstweiliger Verfügungen;
- erwarteten Zeitrahmen; und
- möglichen regulatorischen Hindernissen.
Praktische Vollstreckbarkeit bestimmt häufig das Ergebnis der Rückführung stärker als theoretische Rechtsgültigkeit.
Lektion 9: Transaktionen so strukturieren, dass Abhängigkeit von Gerichtsverfahren minimiert wird
Der Fall FW Aviation verdeutlicht eine wichtige Realität: Ein gewonnenes Gerichtsverfahren bringt das Flugzeug nicht zurück. Operative Vollstreckung bringt das Flugzeug zurück.
Die besten Finanzierungsstrukturen sind so gestaltet, dass:
- Rechte klar sind;
- Löschung der Registrierung unkompliziert ist;
- Exportverfahren etabliert sind;
- Vollmachten verfügbar sind; und
- operative Kontrolle nach Verzug schnell übergehen kann.
Gerichtsverfahren sollten der Notfallplan sein. Sie sollten niemals die primäre Strategie darstellen.
Lektion 10: Regelmäßige Vollstreckungs-Stresstests durchführen
Jede Flugzeugfinanzierung sollte regelmäßigen Vollstreckungsüberprüfungen unterzogen werden. Finanzierer sollten fragen:
- Was passiert, wenn die Fluggesellschaft morgen nicht mehr zahlt?
- Was passiert, wenn Flugzeuge nach Verzug weiter betrieben werden?
- Was passiert, wenn lokale Verfahren eingeleitet werden?
- Was passiert, wenn Aktionäre regulatorische Maßnahmen anfechten?
- Was passiert, wenn Exportverfahren verzögert werden?
Wenn keine klaren Antworten existieren, bleibt die Transaktion gefährdet. Der Fall FW Aviation zeigt, dass diese Risiken nicht theoretisch sind. Sie sind real und vorhersehbar.
Was Finanzierer vermeiden sollten
Mehrere Fehler sollten vermieden werden:
- Finanzierer sollten nicht annehmen, dass ein günstiges ausländisches Urteil Vollstreckungsprobleme automatisch löst. Urteile begründen Rechte. Vollstreckung bringt Vermögenswerte zurück.
- Finanzierer sollten sich nicht ausschließlich auf eine unwiderrufliche Autorisierung zur Löschung der Registrierung und zum Export verlassen. Zusätzliche Dokumentation und operative Planung bleiben unerlässlich.
- Finanzierer sollten nicht erst nach Eintritt des Verzugs mit der Entwicklung von Vollstreckungsstrategien beginnen. Vorbereitung vor dem Verzug ist weitaus effektiver als Reaktion danach.
- Finanzierer sollten keine engen Abtretungsklauseln verwenden, die zukünftige Übertragungen einschränken. Der moderne Markt umfasst zunehmend private Kreditfonds, Investoren für notleidende Vermögenswerte und alternative Finanzierungsanbieter.
- Finanzierer sollten die Möglichkeit paralleler lokaler Verfahren, regulatorischer Herausforderungen oder administrativer Verzögerungen nicht unterschätzen. Diese Risiken sollten von Anfang an berücksichtigt werden.
Schlussfolgerung
Das Verfahren FW Aviation sollte nicht einfach als Sieg der Gläubiger betrachtet werden. Es sollte als praktische Lektion für die globale Gemeinschaft der Flugzeugfinanzierung verstanden werden.
Die Finanzierer erhielten letztlich die Flugzeuge zurück und erlangten erhebliche Geldurteile. Dennoch erforderte die Rückführung jahrelange Rechtsstreitigkeiten, mehrere Verfahren und erhebliche Vollstreckungsmaßnahmen.
Die zentrale Lehre ist daher klar: Erfolg in der Flugzeugfinanzierung wird nicht durch ein Urteil gemessen. Erfolg wird daran gemessen, das Flugzeug bei Verzug schnell, rechtmäßig und vorhersehbar zurückzuführen und zu exportieren.
Für Finanzierer, die in Vietnam investieren, besteht die effektivste Strategie nicht darin, sich auf einen Prozess vorzubereiten. Sie besteht darin, die Transaktion so zu strukturieren, dass ein Prozess überflüssig wird.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den Autor Dr. Oliver Massmann unter [email protected]. Dr. Oliver Massmann ist Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC.
