- Da globale Lieferketten weiterhin durch geopolitische Spannungen und steigende Logistikkosten unter Druck geraten, wie sollte sich Ihrer Ansicht nach Vietnams Industrieimmobiliensektor strategisch weiterentwickeln, um seine Attraktivität für internationale Investoren zu bewahren?
Antwort: Geopolitische Verschiebungen sind nicht nur Risiken, sondern auch Katalysatoren für Vietnam, seine Entwicklung von „Quantität zu Qualität“ zu beschleunigen. Um attraktiv zu bleiben, sollte sich der Industrieimmobiliensektor von der bloßen Bereitstellung von Flächen hin zu widerstandsfähigen Ökosystemen entwickeln. Die Anpassungen sollten sich konzentrieren auf:
(i) Den Schritt über die Kernzentren (wie Bac Ninh oder Binh Duong) hinaus in Satellitenprovinzen. Diese geografische Streuung reduziert Risiken und ermöglicht Investoren den Zugang zu skalierbaren Flächenbanken zu wettbewerbsfähigeren Einstiegspunkten.
(ii) Vietnams neutrale und stabile geopolitische Haltung wirkt wie ein sicherer Hafen. Durch die Straffung administrativer Verfahren und die Verbesserung der rechtlichen Transparenz bietet der Sektor ein vorhersehbares Umfeld, das die Volatilität in anderen Teilen der Welt ausgleicht. - Steigende Ölpreise setzen Transport, Produktion und Betriebskosten von Industrieparks erheblich unter Druck. Wie könnte dies die Entscheidungen von FDI-Unternehmen in Bezug auf Flächenanmietung, Fabrikerweiterung oder die Verlagerung von Produktionsketten in Vietnam beeinflussen?
Antwort: Obwohl steigende Ölpreise kurzfristig Druck erzeugen, erzwingen sie eine längst überfällige Effizienzrevolution, die FDI-Unternehmen langfristig zugutekommen könnte. Meiner Meinung nach könnten die Energiekosten die Entscheidungen von FDI positiv beeinflussen:
(i) Anstelle isolierter Fabriken sehen wir einen Trend zur Branchenclusterung. Durch die Ansiedlung mit Zulieferern im selben Industriepark reduzieren Unternehmen Transportkosten und Treibstoffverbrauch erheblich.
(ii) Höhere Straßenverkehrskosten beschleunigen den staatlichen Vorstoß für multimodalen Transport. Unternehmen können Flächen in der Nähe von Tiefseehäfen oder Regionen mit starker Binnenwasserstraßenanbindung anmieten, um teure Lkw-Transporte zu umgehen.
(iii) Steigende Kosten sind ein „Anstoß“ zur Automatisierung. FDI können ihre Präsenz in Vietnam mit „Smart Factory“-Technologien ausbauen, die weniger Energie verbrauchen und weniger logistische Bewegungen erfordern. - Da Unternehmen zunehmend die Resilienz ihrer Lieferketten priorisieren, könnte die Entwicklung von Industrieparks mit integrierten Logistiklösungen, grüner Energie und intelligenter Infrastruktur Vietnams nächster Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung von Investitionskapital werden?
Antwort: Absolut. Ein solches Modell ist längst kein Luxus mehr, sondern Vietnams nächste „Blue Ocean“-Strategie. Es bietet zwei klare Vorteile:
(i) Multinationale Konzerne (MNCs) haben strikte Netto-Null-Ziele. Industrieparks mit Dachsolaranlagen, Wasserrecycling und Waste-to-Energy-Lösungen ermöglichen es diesen Unternehmen, globale ESG-Standards mühelos zu erfüllen – und machen Vietnam attraktiver als regionale Wettbewerber, die noch stark auf fossile Brennstoffe setzen.
(ii) Durch den Aufbau „logistikverbundener Industrieparks“ wird die Lücke zwischen Produktion und Distribution geschlossen. Diese „One-Stop-Infrastruktur“ senkt Gemeinkosten und macht Lieferketten widerstandsfähiger gegenüber externen Schocks.
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den Autor Dr. Oliver Massmann unter [email protected]. Dr. Oliver Massmann ist Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC.
